Was ist die Adaptive Radiation?

Unter dem Begriff adaptive Radiation (lat.: „adaptare“ = anpassen, „radiatus“ = ausstrahlend) versteht man die Auffächerung (Radiation) einer geringer spezialisierten Art in mehrere stärker spezialisierte Arten durch die aktive Anpassung (Adaption) an vorhandene Umweltverhältnisse.
Dabei sorgt eine geographische Separation (räumliche Trennung) für die Entwicklung der Gründerpopulation in unterschiedliche Richtungen. Dadurch kommt es zu einer Verschiebung der ökologischen Nische bei dem Teil der Gründerpopulation, der neue Merkmale aufweist. Diese Gruppe der Lebewesen wird auch als Teilpopulation bezeichnet. Als ökologische Nische bezeichnet man die Gesamtheit aller belebten (biotisch) und unbelebten (abiotisch) Umweltfaktoren, die das Überleben einer Art beeinflussen.

 

Um dies besser zu verstehen, erklären wir dir dieses Phänomen an einem Beispiel:
Stell dir vor eine Gruppe Affen lebt in einem Urwald, in dem es vielfältiges Nahrungsangebot gab. Aufgrund von Brandrodung mussten sie sich einen neuen Lebensraum suchen. Ein Teil der Gründerpopulation fand einen neuen Lebensraum, in dem es jedoch keine geeigneten Beutetiere (Vögel oder kleinere Säugetiere) gab. Deshalb mussten die Affen ihre Ernährungsweise ändern. Sie wurden zu Pflanzenfressern (Herbivoren). Daraufhin veränderte sich ihr Gebiss im Laufe der Zeit: aus Reißzähnen wurden abgeflachte Zähne, die zur Zerkleinerung von Pflanzen geeigneter waren.
Die andere Teilpopulation besiedelte ein Gebiet, in dem ein geringes Angebot an Pflanzen vorhanden war, die für die Affen ungiftig waren. Also spezialisierten sie sich auf die Jagd und auf den Verzehr von kleineren Säugetieren. Dadurch prägten sich ihre Eckzähne mit der Zeit stärker aus, da diese für die Jagt besonders geeignet waren.
Beide Teilpopulationen waren also dem Selektionsdruck ausgesetzt, der die Anpassung an bestehende Umweltverhältnisse notwendig macht. Somit überleben nur die Individuen, die sich an die neuen Umweltverhältnisse anpassen.
Deshalb verläuft die Evolution bei den beiden Teilpopulationen in unterschiedliche Richtungen. Dabei spielen vor allem der Gendrift, Mutationen (zufällige Veränderung der DNA) und unterschiedliche Selektionsfaktoren eine Rolle.
Aufgrund der geographischen Separation waren die Teilpopulationen über einen sehr langen Zeitraum voneinander getrennt und können sich nicht mehr erfolgreich miteinander fortpflanzen (Fortpflanzungsbarriere).

Dies bezeichnet man als Reproduktive Isolation. Also die Unterbrechung des Genflusses zwischen Populationen der ursprünglich gleichen Art. Entweder die Fortpflanzung führt zu keinen Nachkommen oder die Nachkommen sind unfruchtbar.
Würden diese beiden Teilpopulationen den gleichen Lebensraum besiedeln gibt es wegen ihrer unterschiedlichen Ernährungsweisen (Pflanzenfresser, Fleischfresser) keine innerartliche Konkurrenz. Dies bezeichnet man als Koexistenz.
Die adaptive Radiation kann sich innerhalb einer Art mehrmals wiederholen oder parallel ablaufen. Dabei entsteht, wie oben erklärt, eine neue Art.

 

© Analena Büsse & Leonie Oelmeier