Was ist Multiple Sklerose?

Vielleicht hast du im Freundeskreis oder in den Medien schon mal von der Krankheit MS gehört!

Du weißt aber eigentlich nicht genau was MS bedeutet und wie die Krankheit sich auf Betroffene auswirkt?

Bei der Krankheit handelt es sich um Multiple Sklerose, auch MS abgekürzt. Es ist noch unklar, auf welchem Weg eine Person an MS erkrankt, da neben Umwelteinflüssen meist auch ein genetischer Hintergrund vorliegt. Es kann also theoretisch jeden treffen.

Derzeit gibt es ungefähr 120.000 bis 150.000 Erkrankte in Deutschland. Bei den meisten betroffenen Menschen treten die ersten Symptome der Krankheit zwischen dem 15. und dem 40. Lebensjahr auf. Die Symptome sind jedoch bei jedem Menschen unterschiedlich. Es können unter anderem Empfindungs-, Seh- und Koordinationsstörungen, sowie Muskelfunktionsstörungen (Kraftlosigkeit, Steifheit, Lähmungen) und geistige Verwirrung auftreten.

Die Symptome der Multiplen Sklerose verlaufen in Schüben, welche einige Tage bis einige Wochen andauern können. Am Anfang der Krankheit verschwinden die Beschwerden nach einem Schub meistens vollständig. Dies kann jedoch eine gewisse Zeit dauern.

Umso längerfristig jemand an MS erkrankt ist, desto weniger Beschwerden verschwinden nach den einzelnen Schüben. Das liegt daran, dass die Person im späteren Krankheitsverlauf vor allem bleibende Schäden am Zentralen Nervensystem hat. Diese Schäden führen zu weiteren körperlichen Problemen.

Jetzt fragst du dich bestimmt, wie und wodurch die Schäden entstanden sind.

Es kommt durch die Krankheit zu Schäden an den Erregungsweiterleitungen (Axonen) der Nervenzellen im Zentrale Nervensystem.

Das Zentrale Nervensystem besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark. Wie du schon weißt, sind manche Axone von einer Myelinscheide ummantelt (→ Wie ist die Nervenzelle aufgebaut?).

In dem Text wird dir erklärt, dass die Gliazellen (Oligodendroglia) im zentralen Nervensystem eine besondere (Schutz-)Funktion erfüllen. Sie bestehen aus fettreichen Membranen, die mehrmals um ein Axon gewickelt sind, um die Erregungsweiterleitung zu isolieren. Man nennt diese Schutzschicht aus Zellen Myelinschicht. Die Myelinschicht beschleunigt die Weiterleitung von Informationen entlang der Axone und sie beschleunigt die Informationsübertragung in unserem Gehirn.

Bei MS wird die Myelinscheide fälschlicherweise vom körpereigenen Immunsystem als ,,fremd“  und ,,schädlich“ angesehen. Deswegen werden die Zellen der Myelinscheide von den Abwehrzellen angegriffen und zerstört.

Das bedeutet, dass dein Körper sich selbst schädigt, wenn du an MS erkrankt bist.

Bis jetzt haben die Forscher noch keine Erklärung für diesen Fehler des Immunsystems gefunden. Doch was passiert, wenn die Myelinscheide teilweise oder sogar ganz zerstört wurde?

Bei MS sind die Schäden an den Axonen nach dem Fortschreiten der Krankheit so stark, also ist die Myelinscheide so sehr beschädigt, dass sie teilweise gar nicht mehr vorhanden sind.

Dadurch werden die elektrischen Reize nicht mehr weitergeleitet oder die Geschwindigkeit, in der die Reize weitergeleitet werden, ist verlangsamt.

Diese Störungen bei der Reizweiterleitung im Zentralen Nervensystem erklären die Koordinationsstörungen der an MS erkrankten Personen.

 

Stellt euch beispielsweise vor, ihr wollt einen Stift aufheben.

Diese, für euch ,,einfache“ Bewegung erfordert viele verschiedene Informationen, die von eurem Gehirn durch Reize über die Nervenbahnen an eure Hand geschickt werden müssen.

Diese Reize sind nicht nur von einer Bahn abhängig, sondern werden über verschiedene Nervenbahnen weitergeleitet.

Wenn ihr jetzt an MS erkrankt seid und die Myelinscheiden der Nervenbahnen unterschiedlich stark beschädigt sind, werden die Reize dadurch unterschiedlich schnell weitergeleitet.

Es kommt zu unkontrollierten Bewegungen, also Koordinationsstörungen der Hand und ihr schafft es nicht mehr den Stift kontrolliert aufzuheben.

 

© Vanessa Tiedemann