Wie funktioniert das Gedächtnis?

Was ist deine jüngste Erinnerung? Vielleicht das erste Mal, als du auf einem Pony geritten bist, vielleicht aber auch dein erster Schultag. Aber was ist mit der Zeit davor? Was ist da passiert? Wie funktioniert das mit den Erinnerungen eigentlich?

Unser Gedächtnis nimmt Informationen von unseren Sinnesorganen auf, speichert oder verwirft sie. Es ist in vier verschieden Ebenen unterteilt:

Alle Informationen, die von deinen Sinnesorganen aufgenommen werden, gelangen in das sensorische Gedächtnis. Die meisten Informationen nehmen wir nicht bewusst wahr und löschen sie automatisch (vergessen). Das passiert beispielsweise, wenn du viele Menschen siehst, aber Niemanden bewusst wahrnimmst.

Die Infos, die nicht gelöscht werden, das ist jetzt der Mensch der dir gefällt, gelangen in das Kurzzeitgedächtnis (primäres Gedächtnis). Dort haben ca. sieben Einheiten von Informationen Platz und können wenige Sekunden dort bleiben.

Von dem Kurzzeitgedächtnis gelangen wieder nur einige Informationen in das sogenannte Arbeitsgedächtnis (sekundäres Gedächtnis). Dort werden sie für die Abspeicherung im Langzeitgedächtnis vorbereitet. Eventuell werden Gefühle mit den vorhandenen Informationen verknüpft. Die Infos können dort Minuten bis Monate verweilen. Das passiert, wenn du dich jetzt unsterblich verliebt hast.

Durch Wiederholen und Üben gelangen nun die Informationen in dein Langzeitgedächtnis (tertiäres Gedächtnis). Dort können unendlich viele Informationen eventuell Lebenslang gespeichert sein. Es kann also passieren, dass du diesen einen Menschen niemals vergisst.

Doch auch das Langzeitgedächtnis ist in zwei Systeme geteilt.

Musst du nachdenken, wenn du Fahrrad fährst oder z.B. schwimmst? Nein? Das liegt daran, dass unter anderem diese Bewegungen in dem Prozeduralem Gedächtnis gespeichert sind.

Alles, was sich in diesem Gedächtnissystem befindet, wird meist unbewusst abgerufen.

Dort sind motorische Fähigkeiten, erlernte Verhaltensweisen, gewisse Vorprägungen (Priming) und Gewohnheiten gespeichert. Die Abspeicherung geschieht durch mehrfaches Wiederholen in der Großhirnrinde.

Dann gibt es noch diese Informationen, bei denen du bewusst drauf zugreifen musst. Zum Beispiel die Erinnerung an deine erste große Liebe.

Erinnerungen, wie generalisiertes Wissen und persönliche Erlebnisse, sind im deklarativen Gedächtnis gespeichert. Damit du diese Infos abrufen kannst werden, sogenannte Engramme gebildet. Sie sind sozusagen die Straßen des Gedächtnis. Die Straßen, die oft benutzt werden, bilden sich zu Autobahnen aus, damit die Infos schneller abgerufen werden können. Wobei die Straßen, die kaum genutzt werden, sich mit der Zeit zu einfachen Trampelpfaden zurückentwickeln.

Wie es zu der Ausbildung der Autobahnen kommt, erkläre ich euch jetzt.

Wird die Synapse sehr stark und lang erregt, kommt es dazu, dass Transmitter ausgeschüttet werden, jedoch bei gleichzeitigem positiven erregenden postsynaptischen Potential an der Postsynapse. Dadurch öffnen sich die sonst blockierten Ca²+ -Kanäle in der postsynaptischen Membran und das einströmende Ca²+ aktiviert drei verschiedene Enzyme.

Zuerst wird die Menge der Transmitter pro Aktionspotential erhöht.Dann veranlasst das zweite Enzym die Einlagerung neuer Na+ Kanäle in die postsynaptische Membran und nach lang andauernder, starker Erregung führt das dritte Enzym zu einer Aktivierung ruhender oder Bildung neuer Synapsen. Danach ist die Engrammierung, also die Verbreiterung der Straße, dauerhaft.

Jedoch kann es auch zum ,,Vergessen“ kommen.

Die erste Theorie besagt, dass Engramme verblassen und nach einer gewissen Zeit verschwinden.

Die derzeit favorisierte Theorie besagt jedoch, dass neue Engramme die Alten überlagern und somit den Zugriff verwehren. Diese Hypothesen sind jedoch nicht wissenschaftlich bewiesen.

© Sarah Schäfer