Was ist die sexuelle Selektion?

Hast du dich schon mal gefragt, ob Tiere ihre Partner nach denselben Kriterien auswählen wie wir Menschen? Oder wieso Männchen und Weibchen sich voneinander unterscheiden?
Anhand der sexuellen Selektion kann man die Partnerwahl der Tiere näher erklären.
Die sexuelle Selektion ist eine innerartliche Selektion (Auslese), die sich auf körperliche Merkmale auswirkt. Dadurch entstehen Unterschiede beim Fortpflanzungserfolg innerhalb einer Geschlechtergruppe.
Biologisch betrachtet ist Sexualität die Bildung eines neuen Organismus. Dieser beinhaltet genetisches Material von beiden Elternteilen.

Für die Zusammenführung des genetischen Materials sind sowohl die Geschlechtsorgane als auch sexuelle Verhaltensweisen (Proximate Mechanismen) von Bedeutung.

Generell läuft die Fortpflanzung nach einem bestimmten Verhaltensschema ab:

Zuerst erfolgt die Partnersuche. Dabei geht es vor allem um die Kontaktaufnahme mit geeigneten Fortpflanzungspartnern und die Auswahl des zukünftigen Partners. Deshalb kommt es zu einem Konkurrenzkampf zwischen Tieren mit dem gleichen Geschlecht. Wurde ein Partner beiderseits ausgewählt, ist der Elternaufwand (Versorgung der Jungtiere) für die Überlebenschancen der Nachkommen ausschlaggebend.

Da ein geeigneter Fortpflanzungspartner oftmals nach bestimmten Kriterien (z. B. körperliche Fitness) ausgesucht wird, konkurrieren Tiere einer Geschlechtergruppe (meist männlich) um das idealste (z. B. bestaussehende) Weibchen. Dabei ist für Weibchen bei der Partnerwahl vor allem die Qualität und nicht die Quantität entscheidend. Männchen dagegen bevorzugen eher viele Paarungspartner (Quantität), die aber nicht immer ihren Idealen (Qualität) entsprechen müssen. Somit erhöhen sie den Anteil ihrer Gene im Genpool (Ansammlung von Genen).
Um das Weibchen zu erobern präsentieren Männchen ihre sekundären Geschlechtsmerkmale (Merkmale, die nicht direkt ausschlaggebend für die Paarung sind, z. B.: Bartwuchs, Hahnenkamm) oder sie versuchen das Weibchen mit Hilfe von Revieren, Nestern, Nahrung oder Paarungskämpfen zu beeindrucken. Das Weibchen zu beeindrucken ist bei Paarungskämpfen allerdings zweitrangig. Sie dienen in erster Linie dazu den Gegner zu besiegen. Bei Tierarten bei denen die Männchen zu Paarungskämpfen antreten, sind die männlichen Vertreter der Art größer als die Weibchen. Das Gegenteil ist bei Tierarten (z. B. Amphibien) der Fall, die Paarungsspiele und Vorführungen für die Partnerwahl nutzen. Hier sind die Männchen kleiner als die Weibchen.
Außerdem betreiben Männchen die besonders wählerisch sind, einen großen Aufwand bei ihrer Selbstdarstellung (z. B. durch ihr Balzverhalten) um möglichst viele Weibchen zur Auswahl zu haben.
Können jedoch die Weibchen ihre Paarungspartner frei wählen, haben sie mehr Nachkommen als bei einer zufälligen Partnerwahl. Da sich die Weibchen dann für Partner entscheiden von denen sie glauben, dass sie sich gemeinsam um den Nachwuchs kümmern. Dadurch erhöht sich die Überlebenschance der Nachkommen.

Weitere Möglichkeiten ein Weibchen zu beeindrucken, sind zum Beispiel dem Pfau oder dem Fregattvogel gegeben. Diese Tierarten locken das Weibchen durch Rufe oder durch das Schlagen eines Rades an. Eine besondere Art des Balzverhaltens ist die sogenannte Gruppenbalz:
Bei dieser Art konkurrieren die Männchen in einer Gruppe. Nun kann das Weibchen ihren Partner selbst auswählen. Dabei sind besonders die dominanten (sind anderen Männchen überlegen durch z.B. Aussehen) Männchen begehrt.

Eine andere Möglichkeit Weibchen zu beeindrucken ist der sogenannte Kommentkampf:
Dabei handelt es sich um einen ritualisierten Kampf, bei dem die Verletzungsgefahr der Kontrahenten relativ gering ist. Im Gegensatz dazu gibt es den Beschädigungskampf, der durch aggressive Auseinandersetzungen auf die Verletzung oder Tötung des Gegners zielt.
Des Weiteren ist die Rangordnung innerhalb einer Gruppe entscheidend für den Zugang zu paarungsbereiten Weibchen. Das bedeutet ranghöhere Männchen paaren sich in der Regel öfter.
Außerdem konkurrieren Männchen auch um Laich-/Brutplätze und Reviere für die Aufzucht der Jungen. Dabei sind stärkere Männchen im Vorteil. Die Stärke eines Männchens geht meist mit einer starken Ausprägung der Sexualmerkmale (z.B. Körpergröße, Bartwuchs) einher.
Dies ist auf den Sexualdimorphismus (offensichtliche physische Geschlechtsunterschiede zwischen Männchen und Weibchen) zurück zu führen:

Dieser besagt das Männchen und Weibchen einer Art sich an drei Kriterien unterscheiden lassen. Dazu zählen das unterschiedliche Aussehen, das geschlechtsspezifische Verhalten und die unterschiedliche Ausprägung der inneren und äußeren Geschlechtsorgane. Versucht ein Männchen ein Weibchen zu erobern sind seine Fähigkeiten dem Selektionsdruck ausgesetzt.
Unter Selektionsdruck versteht man die Einwirkung eines Umweltfaktors/Selektionsfaktors (z.B.: andere Lebewesen, Klima) auf Individuen einer Art, die am selben Ort leben (Population).

Es gibt zwei Arten der sexuellen Selektion. Die intrasexuelle („imponiert“ gleichgeschlechtlichen Artgenossen)und die intersexuelle („imponiert“ dem Geschlechtspartner) Selektion.
Bei der intrasexuellen Selektion geht es darum das Männchen kämpferisch um das Weibchen konkurrieren. Diese Art der sexuellen Selektion bezieht sich vor allem auf Löwen, Wölfe und Huftiere.
Die intrasexuelle Selektion wirkt sich auf Merkmale wie zum Beispiel die Körpergröße, Lautäußerungen und Eckzähne aus, da sie für die gleichgeschlechtliche Konkurrenz bei der Partnerwahl von Bedeutung sind. Diese Art der Selektion wirkt sich stärker auf das Geschlecht mit dem geringeren Elternaufwand (Bei den meisten Wirbeltierarten die Männchen) aus.
Da sich die intrasexuelle Selektion auf beide Geschlechter symmetrisch (gleich stark) auswirken kann, führt eine starke intrasexuelle Selektion nicht zu einem Sexualdimorphismus (offensichtliche physische Geschlechtsunterschiede zwischen Männchen und Weibchen).
Bei der intersexuellen Selektion wählt das Geschlecht mit dem höheren Elternaufwand (meist Weibchen) ihre Fortpflanzungspartner anhand bestimmter Merkmale selbst aus. Die Präferenz für bestimmte Merkmale rührt daher, dass diese das Überleben der Nachkommen erhöhen.
Diese beiden Selektionstypen wirken oft zusammen. Zudem gibt es eine weitere Selektionsart, die als Verwandtenselektion bezeichnet wird: Bei Tierarten, bei denen die Tiere innerhalb einer Gruppe eng miteinander verwandt sind, pflanzen sich einige nicht selbst fort um andere Gruppenmitglieder bei der Aufzucht der Nachkommen zu unterstützen. Damit tragen sie indirekt zu der Verbreitung ihrer Gene bei, ohne sich selbst fortzupflanzen. Dieses Verhalten tritt bei Tierarten wie Bienen, Ameisen, Murmeltieren und Krallenaffen auf.

Es gibt sowohl direkt als auch indirekt selektierte Mechanismen. Bei den direkt selektierten Mechanismen haben die Träger eines bestimmten Merkmals bei der Partnerwahl einen Vorteil, sodass dies DIREKT zu einer höheren Nachkommenzahl führt. Bei den indirekt selektierten Mechanismen haben die Träger des Merkmals zunächst weniger Nachkommen, die aber eine höhere Fitness aufweisen. Deshalb überleben sie länger. Somit setzen sie sich später in der Population (INDIREKT) durch.

 

    © Analena Büsse & Leonie Oelmeier