Was ist natürliche Selektion?

Wie hat es das Leben in einer sich ständig verändernden Erde geschafft über Jahrmillionen zu überleben?

Einer der Gründe liegt im Prozess der "natürlichen Selektion"!

Der Begriff Selektion stammt von dem lateinischen Wort „selectio“ und bedeutet Auswahl. Natürliche Auswahl heißt also, das Lebewesen durch die vorhandenen Umweltbedingungen „ausgewählt“ werden. Lebewesen, die besser an ihre Umwelt angepasst sind, haben also eine höhere Überlebenschance als andere.

Dies kann man am besten an einem Beispiel erläutern:
Auf einer einsamen Insel lebte eine Gruppe von Menschen. Als eines Tages das Nahrungsangebot kanpp wurde, kam es zu einer Hungersnot.

In unserem Beispiel bestand die Gruppe aus dickeren Menschen (gute Futterverwerter) und dünneren Menschen (schlechte Futterverwerter). Auf Grund des geringen Nahrungsangebotes, wurden die dünnen Menschen immer schwächer, während die dicken Menschen ihre Fettreserven aufbrauchten. Nach einiger Zeit starben die dünnen Menschen an Unterernährung. Nun lebten nur noch die Menschen auf der Insel, die von Natur aus schon gute Futterverwerter waren. Somit gab es durch die natürliche Selektion nur noch dickere Menschen.

Selektion führt also während der Evolution zur besseren Anpassung der Lebewesen an ihre Umwelt. Dadurch, dass die angepassten Menschen sich durch die bessere Futterverwertung besser fortpflanzen, können sie mehr Allele (=Ausprägung eines einzelnen Gens) in den Genpool (=Ansammlung von Genen) der Folgegeneration einbringen. Sie setzen sich also in der Population durch. Dies ist den dünnen Menschen in unserem Beispiel nicht möglich.

 

Es wird zwischen drei verschiedene Arten der natürlichen Selektion unterschieden:
Die gerichtete Selektion wendet sich gegen Individuen mit stark vom Durchschnitt abweichenden Merkmalen. Zum Beispiel gegen Stummelflügel bei Fruchtfliegen. Fruchtfliegen mit Stummelflügeln sind nicht fähig zu fliegen. Sie weichen also deutlich von eienr durchschnittlichen Fliege ab. Somit werden sie öfters gefressen als flugfähige Fliegen. Dadurch können sie sich auch nur seltener fortpflanzen (s. Abb. 1).
Daneben gibt es die disruptive Selektion, die sich gegen Individuen mit dem durchschnittlichen Merkmal richtet. Wie zum Beispiel bei den Finken. Finken mit großen Schnäbeln können große Körner und Nüsse knacken. Finken mit kleinen Schnäbeln können nur kleinere Samen aufpicken. Die disruptive Selektion wendet sich also gegen Finken mit mittelgroßen Schnäbeln, da sie weder große Samen knacken, noch zu kleine Samen aufpicken können. Sie haben dadurch große Ernährungsprobleme und dies beeinflusst natürlich auch massiv die Chancen zur Fortpflanzung (s. Abb. 2).
Des weiteren gibt es die stabilisierende Selektion, welche die Verbreitung von Individuen mit einem durchschnittlichen Merkmal unterstützt. Zum Beispiel Vögel mit extrem großen oder extrem kleinen Flügeln im Verhältnis zu ihrer Körpergröße haben eine geringere Flugfähigkeit. Das bedeutet, Vögel mit extrem kleinen Flügeln haben Schwierigkeiten das eigene Körpergewicht in der Luft zu halten. Dagegen müssen Vögel mit extrem großen Flügeln einen höheren Kraftaufwand aufbringen um ihre Flügel zu bewegen. Somit kommt es auf lange Sicht gesehen zur Stabilisierung des Mittelwerts. Also zur Verbreitung von mittelgroßen Flügeln im Verhältnis zur Körpergröße (s. Abb. 3).

 

Die Selektion hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab. Den biotischen Selektionsfaktoren (belebten), die alle Selektionsfaktoren, die von der belebten Umwelt ausgehen einschließen. Dazu zählen natürliche Fressfeinde, Konkurrenz um Nahrung, Paarungspartner und Lebensraum.
Zudem von den abiotischen Selektionsfaktoren (unbelebten), welche die physikalischen Bedingungen umfassen. Hierbei spielen z. B. Klima, Salzgehalt des Wassers und Nährstoffgehalt des Bodens eine Rolle.
Außerdem findet Selektion gezwungener Maßen statt. Durch den immer bestehenden Selektionsdruck wird Anpassung zwangsläufig notwendig gemacht, sodass auch nicht näher verwandte Arten eine Anpassungsähnlichkeit aufweisen können, wenn sie sich im gleichen Umfeld befinden (zum Beispiel der Maulwurf und die Maulwurfsgrille).

Durch Selektion werden die Lebewesen ausgewählt die, besonders gut an ihre Umwelt angepasst sind. Individuen, die länger leben, können mehr vererben. Diejenigen, die nicht mehr zu ihrer Umwelt passen, sterben aus.

 

Abb. 1: gerichtete Selektion
Abb. 1: gerichtete Selektion
Abb. 2: disruptive Selektion
Abb. 2: disruptive Selektion
Abb. 3: stabilisierende Selektion
Abb. 3: stabilisierende Selektion

© Leonie Oelmeier & Analena Büsse