Ökosystem See - Erklärungsversuch 1

Vermutlich ist dir die Komplexität eines Sees gar nicht so bewusst, aber in Wirklichkeit steckt in ihm viel mehr als du denkst. Daher wollen wir versuchen, dir die Zusammenhänge des Ökosystems See zu erklären.

Im Normalfall lässt sich der See zunächst einmal in Ufer (Litoral)- und Freiwasserzone (Pelagial) einteilen. Das Wasser selbst gliedert sich in drei unterschiedliche Schichten: die obere Nährschicht (Epilimnion), die Sprung- bzw. Kompensationsschicht und die tiefste Zehrschicht (Hypolimnion).

Es gibt außerdem noch verschiedene Ebenen im Bereich der Uferzone, die für bestimmte Pflanzen den Lebensraum darstellen. Oberhalb des Wassers gibt es den Bruchwald, in dem hauptsächlich Erlen und Weiden vorkommen. Danach folgt die Röhrichtzone, in der Pflanzen wie Schilfrohr schon teilweise im Wasser stehen. Die Pflanzen (z.B. Seerose, Teichrose), die in den untersten Zonen, der Unterwasserpflanzenzone und Tauchpflanzenzone, wachsen, stehen komplett im Wasser.

Um dir die Nahrungskette und den Stoffkreislauf im See zu erläutern, müssen wir noch einmal auf die verschiedenen Schichten des Wassers zurückkommen. Da das Licht nur durch die Nährschicht gelangt, leben dort die meisten Tiere und Pflanzen.

Die Produzenten, also grüne Pflanzen und Plankton, bilden zum einen Sauerstoff (durch Fotosynthese) und die Nahrungsgrundlage für die Konsumenten. Die Pflanzenfresser (Primärkonsumenten) werden wiederum von den Fleischfressern (Folgekonsumenten) gefressen. Ausscheidungen, Tierleichen, Laub und andere Pflanzenteile sinken in die unterste Zehrschicht hinab und werden dort von den Destruenten (Bakterien, Würmer, Pilze) zersetzt. Dadurch werden unter Sauerstoffverbrauch (Zellatmung) viele Mineralstoffe frei, die die Lebewesen in der Nährschicht nutzen können.

Wenn du schon einmal im Sommer im See tiefer tauchen warst, ist dir bestimmt aufgefallen, dass es in einer bestimmten Tiefe plötzlich eiskalt wurde. Das hängt mit den Stagnations- und Zirkulationszuständen eines Sees zusammen. Im Sommer bilden sich die vorher genannten Schichten, wobei die obere (Epilimnion) durch ständige Zirkulation auf 20°C erwärmt ist. Die untere Schicht stagniert (steht still) und hat eine konstante Temperatur von 4°C.

Im Herbst und Frühjahr gibt es diese stabile Einteilung in Schichten nicht. Hier herrscht dann die sogenannte Vollzirkulation, die durch Winde unterstützt wird. Dabei gelangt das Wasser aus der Nährschicht (sauerstoffreich & mineralstoffarm) in die untere Zehrschicht (sauerstoffarm & mineralstoffreich) und umgekehrt. Die Wassertemperatur liegt im gesamten See dann bei 4°C.

Wenn es dann im Winter noch kälter wird, setzt sich aufgrund der geringeren Dichte das kühlere Wasser über das 4°C kalte Wasser ab (-> Winterstagnation).  Es kann auch dazu kommen, dass die Oberfläche zufriert (Wassertemperatur dann 0°C).

© Arlinda Blenishte und Sophia Pigulla